Liebesgedicht - Unvergleichlich blüht um mich der Frühling
Impressum
 
 
   Liebesgedichte
 
   Frühlingserwachen
   Verliebt
   Herzklopfen
   Ich liebe dich
   Liebe ist ...
   Küssen
   Liebeszauber
   Sehnsucht
   Liebeserklärung
   Verbundenheit
   romantische Gedichte
   Liebeskummer
   Herzschmerz
   Abschiedsgedichte
   Liebeslieder
   Internet

Liebesgedichte: Frühlingserwachen





Unvergleichlich blüht um mich der Frühling

Unvergleichlich blüht um mich der Frühling,
In die Fenster schlagen Nachtigallen,
Heiter blickt der Himmel her, die Sonne
In das Stübchen, wo ich sitz' und dichte.
Mehr als Blumen im Gefilde, sprossen
Lieder täglich unter meiner Feder.
Und vom Flore meiner Blätter blick' ich
Zwischenhin auf den des Frühlings draußen,
Lächl' ihm zu und seh' ihn wieder lächeln.
Jeder von uns beiden scheint zufrieden
Mit sich selbst und mit dem andern; jeder
Tut und lässt den andern tun das Seine.
Und, den Tag lang dichtend, denk' ich immer
An den Abend, wo, zu süßen Tagwerks
Süßem Lohn, ich gehe zu der Guten,
Die mit treuer anspruchloser Neigung
Mich beglückt, wie ich es nie mir träumte.
Hab' ich doch allein für sie gedichtet,
Wie der Frühling sich für sie nur schmückte.
Und sie freut sich meiner Liedesblüten,
Wie der Kränze, die der Lenz ihr bietet,
Teilt ihr Lächeln zwischen beiden Freunden,
Die einander nicht den Anteil neiden.
Lieben, dichten und den Frühling schauen,
Dichten und den Frühling schaun und lieben -
Gibt es einen angenehmern Kreislauf,
Als in dem ich spielend mich bewege?
Und den süßen Kelch mir scharf zu würzen,
Rascher zum Genuss mich aufzufordern,
Steht der Abschied winkend in der Ferne.
Näher treten seh' ich ihn bedeutsam,
Sprechend: Alles dieses musst du lassen.
Wie das Leben schön ist, weil es endet,
Wie die Jugend lieblich, weil sie fliehet,
Wie die Rose reizend, weil sie welket;
So empfind ich heut' ein Glück gedoppelt,
Das mir morgen schon der Tod will rauben.
Angefangne Lieder möcht' ich enden,
Doch unendlich quellen sie im Herzen.
Rosenknospen möcht' ich noch im Garten
Sich zur Blüt' erschließen sehn und brechen.
Und die Sonne dieser tiefen Augen,
Die mit jedem Blick von Seelentreue,
Ew'ger Fülle der Empfindung sprechen,
Möcht' ich ganz noch in die Seele trinken.
Lass, o Herz, dich nicht vom Drang verwirren,
Sondern nimm, was du noch darfst, besonnen:
Diese ungebornen Lieder alle,
All' die Hoffnung dieser Rosenknospen,
Diesen Frühling, diesen Liebeshimmel,
All' dies Glück, o fass' es, wenn du scheidest,
In ein liebendes Gefühl zusammen,
Nimm es mit! Wer kann's der Seele rauben?
Die Erinnrung wird davon sich nähren,
Wenn die Gegenwart die süße Nahrung
Dir versagt, woran dein Herz gewöhnt ist.
Phantasie und Liebe, deren Flügel
Nicht der Zeit, der Räume Trennung achtet,
Wird, wo du auf öden Steppen weilest,
Jeden Augenblick zurück dich tragen
In das Paradies, das du verlassen.

Friedrich Rückert 1788-1866













Liebesgedicht.org

copyright © 2007 - 2008, carmen jakel



Meine Liebesgedichte-Seite: - Liebesgedicht: Unvergleichlich blüht um mich der Frühling