Liebesgedicht - Mannesträne
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Liebesgedichte: Herzschmerz





Mannesträne

Mädchen, sahst du jüngst mich weinen?
Sieh des Weibes Träne dünkt
Mir der klare Tau des Himmels,
Der in Blumenkelchen blinkt.

Ob die trübe Nacht ihn weinet,
Ob der Morgen lächelnd bringt,
Stets doch labt der Tau die Blume
Und ihr Haupt hebt sich verjüngt.

Doch es gleicht des Mannes Träne
Edlem Harz aus Ostens Flur,
Tief ins Herz des Baums verschlossen,
Quillt's freiwillig selten nur.

Schneiden musst du in die Rinde
Bis zum Kern des Marks hinein,
Und das edle Nass entträufelt
Dann so golden, hell und rein.

Bald zwar mag der Born versiegen,
Und der Baum grünt fort und treibt,
Und er grüßt noch manchen Frühling,
Doch der Schnitt, die Wunde - bleibt.

Mädchen, denk' des wunden Baumes
Auf des Ostens fernen Höh'n,
Denke, Mädchen, auch des Mannes,
Den du weinen einst geseh'n!

Anastasius Grün 1806-1876













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