Liebesgedicht - Allgegenwart
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Liebesgedichte: Liebeszauber





Allgegenwart

Wo ich bin, fern und nah,
Steh'n zwei Augen da,
Dunkelhell,
Blitzesschnell,
Schimmernd wie Felsenquell
Schattenumkränzt.

Wer in die Sonne sieht
Weiß es, wie mir geschieht;
Schließt er das Auge sein,
Schwarz und klein
Sieht er zwei Pünktelein
Überall vor sich.

So auch mir immerdar
Zeigt sich dies Augenpaar,
Wachend in Busch und Feld,
Nachts, wenn mich Schlaf befällt,
Nichts in der ganzen Welt
Hüllt mir es ein.

Gerne beschrieb ich sie,
Doch ihr verstündet's nie:
Tag und Nacht,
Ernst, der lacht,
Wassers- und Feuersmacht
Sind hier in Eins gebracht,
Lächeln mich an.

Abends, wenn's dämmert noch,
Steig' ich vier Treppen hoch,
Poche ans Tor,
Streckt sich ein Hälslein vor,
Wangen rund,
Purpurmund,
Nächtig Haar,
Stirne klar,
Drunter mein Augenpaar.

Franz Grillparzer 1791-1872













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