Liebesgedicht -Nur ein einz'ger Schleier noch
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Liebesgedichte: Sehnsucht





Nur ein einz'ger Schleier noch

Nur ein einz'ger Schleier noch
Hüllt der Liebsten Schönheitslicht.
Könnt' ich heben diesen doch,
Und ich säh' ihr Angesicht!

Von dem Himmel trennet mich
eine morsche Schrank ‚ allein.
Höbe diese Schranke sich,
Und ich würde selig sein!

Nur ein bunter Vorhang schwebt
Vor dem Harem, wo sie ruht;
Wie die Lüfte Spiel ihn hebt,
Weht mich an die Rosenglut.

Auf der Liebsten Augen drin
Liegt ein Zauberschlummerduft,
Und es hört mein leiser Sinn,
Wie sie mich im Traume ruft.

Komm! so tönt der Liebeslaut,
Komm und brich den Zauberstab,
Weck' ins Leben deine Braut
Oder sink' zu ihr ins Grab.

Ja, ich muss, nicht lässt es mich,
Liebens mir am Busen warm
Musst du werden, oder ich,
Liebste, kalt in deinem Arm.

Friedrich Rückert 1788-1866













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